Starker Anstieg antisemitischer Straftaten

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Angriffe auf Juden und jüdische Einrichtungen nehmen in Deutschland zu. Antisemitismus ist alltäglich.

Terroranschläge wie der auf die Synagoge in Halle sind in Deutschland zwar selten, doch gehört Antisemitismus für Juden in Deutschland zum Alltag. Die Zahl antisemitischer Straftaten ist seit Jahren hoch, wie die Statistik des Bundeskriminalamtes (BKA) belegt. 2018 stiegen antisemitische Delikte zudem um knapp 20 Prozent auf 1.799 Fälle. Im vorangegangenen Jahr registrierte das BKA 1.504 antisemitische Straftaten. Bei den meisten Fällen gehen die Behörden von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Besonders deutlich nahmen Gewalttaten zu, ihre Zahl hat sich mit 69 Fällen gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt (2017: 37).

Die Dunkelziffer antisemitischer Vorfälle dürfte laut dem vom Bundestag eingesetzten Unabhängigen Expertenkreis Antisemitismus jedoch deutlich höher liegen, als es die Polizeistatistik ausweist. Denn viele Delikte würden nicht gemeldet oder angezeigt, außerdem würden nicht alle antisemitischen Straftaten als solche registriert. Der Expertenkreis Antisemitismus geht in seinem jüngsten Bericht von einer systematischen Unterschätzung antisemitischer Vorfälle aus.

Angesichts der Gewaltbereitschaft der rechtsextremen Szene zeigte sich Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) besorgt. „Der Rechtsextremismus ist neben dem islamistischen Terrorismus mittlerweile die größte Bedrohung in unserem Land“, sagte Seehofer der „Welt am Sonntag“.

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, rief dazu auf, entschieden gegen Judenfeindlichkeit im Alltag Stellung zu beziehen. „Es muss unangenehm werden, wenn man sich auch im Kleinen, Privaten antisemitisch äußert: am Stammtisch, auf dem Fußballplatz, am Arbeitsplatz“, sagte Klein den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Dem Antisemitismus müsse der Nährboden entzogen werden.

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