Vielfalt gestalten

Die Integration der rund 100.000 geflüchteten Menschen unterschiedlicher Herkunft in den niedersächsischen Arbeitsmarkt birgt für Unternehmen viele Chancen. Nicht nur, um dem viel beschworenen Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Vielmehr bringen diese Menschen unterschiedliche Mentalitäten, Denk- und Herangehensweisen an Arbeitsprozesse mit, von denen Unternehmen durchaus profitieren können. Die Herausforderung für Unternehmen heißt „Vielfalt gestalten“.

Dies setzt von Chefs und Mitarbeitern die Bereitschaft voraus, Fremdes zu akzeptieren und zum Wohle aller gewinnbringend zu nutzen. Wer weiß, wie seine Mitarbeiter oder Kollegen aus Syrien, dem Iran oder Irak „ticken“, lernt, sie zu verstehen. Bisher kommen im Zuge der Freizügigkeit innerhalb der Europäischen Union Arbeitssuchende und Praktikanten bevorzugt aus dem europäischen Ausland. Doch die deutsche Wirtschaft boomt und benötigt mehr Arbeitskräfte denn je. Somit liegt es auf der Hand, verstärkt auf ausländische Arbeitskräfte zu setzen und sie für ein Leben in Niedersachsen langfristig zu begeistern. Dies gelingt in erster Linie mit realistischen beruflichen Perspektiven – auch für Migranten außerhalb Europas.

Integration durch Qualifizierung

Um sicherzustellen, dass die Qualitätsstandards eingehalten werden (können), hat das IQ Netzwerk Niedersachsen eine Checkliste erstellt, die jedes Unternehmen für seine ausländischen Mitarbeiter ausfüllen kann.

Link: www.migrationsportal.de/sites/default/files/dokumente/checkliste_qst.pdf

Des Weiteren fördern offene Dialoge das Wissen voneinander und tragen in den Unternehmen dazu bei, Reibungen zu minimieren, die die Produktivität sonst lähmen könnten. Und nicht nur das: Offene Dialoge führen auch zu schnelleren Kontakten, schaffen wichtige Kommunikationswege und lassen neue (Produkt-)Ideen entstehen.

Idealerweise etabliert sich am Ende ein Arbeitsumfeld, in dem alle vorbehaltlos voneinander lernen und offen sind für neue Denkanstöße. Kurzum, es ist ein Arbeitsumfeld, in dem die Fähigkeiten des Einzelnen gewürdigt und erfolgreich mit den Fähigkeiten der anderen Kollegen zusammengebracht werden. Vielfalt gestalten – die Chance für den organisatorischen und wirtschaftlichen Gewinn eines Unternehmens.

Was Migranten tun können

Aber nicht nur die Unternehmen müssen sich öffnen. Auch die geflüchteten Menschen müssen Bereitschaft zeigen. Dazu zählt zum Beispiel das zügige Erlernen der deutschen Sprache. Denn nur wer seine Umgebung versteht, kann sich integrieren und letztlich auch Arbeit finden. Zur Bereitschaft zählt aber auch die Anerkennung der Gleichstellung von Frauen in der deutschen Gesellschaft und die damit einhergehende Akzeptanz weiblicher Vorgesetzte.

Eine weitere Voraussetzung für einen erfolgreichen Einstieg in den (niedersächsischen) Arbeitsmarkt ist der Aufenthaltsstatus. Wer eine Aufenthaltserlaubnis erhält, benötigt keine Zustimmung der Agentur für Arbeit, um sich um eine Vakanz, einen Ausbildungsplatz oder ein Praktikum zu bewerben. In der Regel gehören Syrer, Iraner, Iraker und Eritreer diesem Kreis an.

Wer dagegen nur geduldet ist, also eine Aufenthaltsgestattung hat oder Asyl suchend ist, darf in den ersten drei Monaten seines Aufenthaltes nicht arbeiten, danach aber einer nicht-selbstständigen Tätigkeit nachgehen. Hat ein Asylsuchender eine Ausbildung begonnen, darf er sie, sollte sein Antrag abgelehnt werden, noch zu Ende führen, bevor er Deutschland wieder verlassen muss.

Link: www.migrationsportal.de/flucht-asyl/arbeitsmarktzugang

Betriebliche Maßnahmen zur beruflichen Orientierung bedürfen keiner Zustimmung der Agentur für Arbeit oder Ausländerbehörde. Anders verhält es sich bei (Pflicht-)Praktika, die im Rahmen einer schulischen und beruflichen Ausbildung, eines Studiums oder zur Anerkennung eines ausländischen Berufsabschlusses absolviert werden. In diesem Fall muss die Ausländerbehörde und/oder die Agentur für Arbeit ihre Erlaubnis erteilen.

Link: ggua.de/fileadmin/downloads/tabellen_und_uebersichten/Erfordernis_einer_Arbeitserlaubnis_bzw.pdf

Die Handlungsschwerpunkte des IQ Netzwerks

Das Landesnetzwerk Niedersachsen hat drei Handlungsschwerpunkte: Beratung, Qualifizierung sowie Interkulturelle Kompetenzentwicklung und Antidiskriminierung. Die Koordination der Aktivitäten hat die RWK Nord GmbH in Osnabrück übernommen, eine Gesellschaft des Rationalisierungs- und Innovationszentrums der Deutschen Wirtschaft. Sie unterstützt mittelständische Unternehmen auch bei der adäquaten Beschäftigung von Menschen mit ausländischer Berufsqualifikation.

Migrationsportal Niedersachsen

Um die Arbeitschancen von Migranten in Niedersachsen zu verbessern, hat das IQ Netzwerk Niedersachsen ein Migrationsportal entwickelt. Hier können sich sowohl Geflüchtete als auch geschultes Fachpersonal über die Anerkennung ausländischer Abschlüsse informieren und beraten lassen.

Link: http://www.migrationsportal.de/

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