Mittelständler halten Flüchtlinge nicht für Lösung für Fachkräftemangel

Aktuelle Simulation des IAB bekräftigt Forderungen nach mehr Integrationsinvestitionen

Der Zuzug von Flüchtlingen wird den Fachkräftemangel nicht beheben. Zu diesem Ergebnis kommt jetzt eine Umfrage des Wirtschaftsmagazins „Markt und Mittelstand“ (MuM) bei mittelständischen Unternehmen. Darin bezeichneten zwei Drittel der Befragten es als „sehr“ oder „eher unwahrscheinlich“, dass Flüchtlinge dabei helfen können, den Fachkräftemangel hierzulande zu überwinden.

Das größte Problem bei der Beschäftigung von Geflüchteten sehen neun von zehn Unternehmen demnach in den fehlenden Sprachkenntnissen. Auch auf die Frage, was sich ändern müsse, gaben viele Befragte bessere Sprachförderung an. Als deutlich weniger problematisch schätzen die mittelständischen Unternehmen laut dieser Umfrage hingegen kulturelle Unterschiede sowie bürokratische und rechtliche Hürden ein.

Von den befragten Unternehmen hatte nach eigenen Angaben fast jedes zweite schon mindestens einen geflüchteten Menschen eingestellt.

Link: http://www.marktundmittelstand.de/personal/fluechtlinge-sind-nicht-die-loesung-fuer-fachkraeftemangel-1253841/

Der Kurzbericht „Fiskalische und gesamtwirtschaftliche Effekte: Investitionen in die Integration der Flüchtlinge lohnen sich“ des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, die Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit, bekräftigt die Notwendigkeit, von Anfang an in Sprachförderung von Flüchtlingen und Asylantragsstellern zu inverstieren. Nach einer aktuellen Simulation, die auf Daten der IAB-SOEP-Migrationsstichprobe beruht (Link: http://doku.iab.de/kurzber/2014/kb2114.pdf), „würde sich die  fiskalische Bilanz der Flüchtlingszuwanderung aus dem Jahr 2015 deutlich verbessern: Bis zum Jahr 2030  würde  das Jahresdurchschnittliche  Defizit  gegenüber dem Basisszenario mit vergleichsweise wenigen Investitionen um rund 500 Millionen Euro geringer ausfallen“, wenn „der Anteil der Flüchtlinge, die in Deutschland einen beruflichen Bildungsabschluss erwerben, tatsächlich um 20 Prozentpunkte steigt“. (S. 11 des Kurzberichtes) http://doku.iab.de/kurzber/2017/kb0217.pdf

Weiter heißt es in dem Bericht: „Wenn der Anteil mit sehr guten und guten Deutschkenntnissen um ebenfalls 20 Prozentpunkte steigt, würde das jahresdurchschnittliche fiskalische Defizit um weitere 190 Millionen Euro sinken. Bis zum Jahr 2030 sinken somit die kumulierten fiskalischen Kosten um 11 Milliarden Euro. Darin enthalten sind bereits die geschätzten Investitionen von knapp 3 Milliarden Euro für Bildungsabschlüsse und von gut 0,3 Milliarden Euro für den zusätzlichen Erwerb von Sprachkompetenz, also insgesamt knapp 3,3 Milliarden  Euro.“

In dem Bericht werden die fiskalischen und gesamtwirtschaftlichen   Wirkungen von verstärkten Investitionen in die Arbeitsmarktintegration der 2015 zugewanderten  Flüchtlinge analysiert. Zugrunde gelegt wird der Prognose der Wissenschaftler der Integrationsverlauf, der sich vor 2015 in den vergangenen 20 Jahren ergeben hat, als nur sehr wenige Investitionen für Integrationsmaßnahmen vorgenommen wurden.

Die in der Simulation vorausgesetzte Zunahme von Bildungsabschlüssen sowie guten und sehr guten Deutschkenntnissen bei Flüchtlingen um je 20 Prozentpunkte  erforderten allerdings weitere Investitionen als die in 2015 und 2016 beschlossenen Integrationsmaßnahmen, so das Fazit der Wissenschaftler.

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