Kiron University: Die Online-Hochschule für Flüchtlinge

Flüchtlinge, die in Deutschland studieren wollen, haben unter anderem ausreichende Deutschkenntnisse und einen entsprechenden Schulabschluss in ihrem Herkunftsland nachzuweisen. An dieser Hürde scheitern viele fortbildungswillige Ausländer, selbst wenn sie bereits als Flüchtlinge anerkannt sind. Allein schon die Beschaffung der erforderlichen Unterlagen stellt häufig ein schwer überwindliches Problem dar, wenn die betreffenden Personen aus Kriegs- bzw. Krisengebieten stammen.

Abhilfe bei diesem Dilemma will die Kiron-University in Berlin schaffen. Die Online-Hochschule hat sich vorgenommen, Asylsuchenden auch dann ein Studium zu ermöglichen, wenn sie noch nicht die ansonsten notwendigen  Dokumente bzw. deutschen Sprachkenntnisse vorweisen können. Zur Immatrikulation soll nicht einmal ein gültiger Ausweis vonnöten sein.

Und so funktioniert das Kiron-Konzept: Zunächst findet das Studium virtuell statt, also mit Online-Kursen. Alle übrigens in englischer Sprache. Haben die Studenten diesen Teil erfolgreich absolviert, können sie hernach an eine „richtige“ Universität wechseln. Nach einem universellen Studium zur Förderung der Allgemeinbildung stehen den Studiosi anschließend fünf Studiengänge offen: Computerwissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Wirtschaftswissenschaften, Architektur und Intercultural Studies. Inzwischen sollen bereits 15 „richtige“ Hochschulen im In- und Ausland ihre Kooperation bei dem Kiron-Modell zugesagt haben. Sie stellen den Kiron-Studenten am Ende dann auch ihre Abschlüsse aus.

Inzwischen hat der erste Jahrgang seine Studien aufgenommen, rund 1000 Studenten. Der Andrang soll nach Auskunft der Kiron-Initiatoren riesig gewesen sein. Um die Kosten für die Studierenden zu decken, wurde eine Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen. Sie soll 1,2 Millionen Euro einbringen. Auf längere Sicht sehen die Kiron-Gründer allerdings den Staat aufgefordert, für die nach ihrer Aussage vergleichsweise geringen Kosten von rund 400 Euro jährlich je Student aufzukommen.

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